
Wer in Berlin ein Penthouse bezieht, zum Beispiel in der Linienstraße 219, verbindet mit solch einer Wohnung konkrete Vorstellungen und gehobene Ansprüche. Die Behausungen auf den Dächern Hong Kongs folgen einer anderen Tradition, die in Deutschland undenkbar ist und nur Fassungslosigkeit auslösen würde.
Stefan Canham, Hamburger Fotograf: "Am liebsten schweigen die Hongkong-Chinesen über ihre Hüttenbewohner." Drei Monate lang besuchte er zusammen mit der Chinesin Rufina Wu die Einwohner solcher Dachsiedlungen, um Fotos aufzunehmen und die Verhältnisse dort zu dokumentieren. Die Menschen leben dort, weil sie in Hong Kong arbeiten und sich eine Wohnung außerhalb der Innenstadt nicht leisten können. Im Zentrum selbst sind Wohnungen noch teurer. Sie gehen allen möglichen Berufen aus Dienstleistung und Handwerk nach, eben in den Bereichen, wo großer Bedarf besteht.
Deshalb toleriert die Stadtverwaltung die Bauten, die kaum irgendwelchen gehobenen Qualitätsvorstellungen entsprechen, geschweige denn bei den Taifunen von Juli bis September immer an ihrem Platz bleiben. So manch ein Teil ist wie ein Drachen emporgeschleudert worden, in die Tiefe gestürzt und hat Schäden beim Aufprall verursacht. So ein Hochhaus kann sehr hoch sein.
Eine deutsche Baubehörde mag manchmal nervig sein, doch verhindert sie solchen Wildwuchs, der sogar Menschenleben kostet.
Hans Kolpak
Eigentum & Bauen
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