Berlin: Wo sich Geschichte und Gegenwart begegnen
abgelegt im Archiv Städtebau am 03.07.09

© extranoiseDie starken Kräfte Berlins verbunden mit Vertrauen und Zuversicht kann ich kann ich aus eigener Erfahrung unterstreichen. Ich erinnere mich sehr gut an die Achtziger Jahre, an die gemischten Gefühle auf der Autofahrt von Frankfurt am Main nach Westberlin und beim Tagesbesuch in Ostberlin. Doch eingesperrt, eingesperrt gefühlt habe ich mich nie. Gerne wäre ich mit meiner Familie nach Westberlin gegangen, doch meine damalige Ehefrau und Mutter unserer Kinder fühlte sich in Berlin eingesperrt, obwohl ihre beste Freundin heute noch dort lebt.
Berlin ist eine junge Stadt, die Hauptstadtqualitäten erst im 18. Jahrhundert entwickelte. Aus meiner Sicht läßt sich für kein Berlin kein einheitliches Flair, nichts Typisches ausmachen. Sie müssen schon einen Berliner fragen. Jeder Bewohner, jeder Tourist wird hier das finden, was er sucht und zu sehen glaubt. Und er hat recht. Fern jeglicher konstanter Beschaulichkeit, die alte Metropolen anderer Bundesländer auszeichnet, ist Berlin seit Jahrhunderten Brennpunkt und Zerreißprobe in einem.
Die geographische Lage mitten in einer Besatzungszone erzeugte ein weltweit einmaliges selbstbewußtes Selbstverständnis, welches Berliner heute noch auszeichnet, und förderte eine internationale Welle der Symphatie für die Menschen dieser Stadt. Liebeserklärungen wie von Michael Ballhaus und Ciro Cappellari oder von Walter Ruttmann sind vielleicht eher geeignet, etwas von dem einzufangen, was Menschen hier hält und hierher kommen läßt.
"Berlin ist eine Reise wert!" ist mehr als ein Slogan und "Ich hab' noch einen Koffer in Berlin!" ist mehr als eine Sehnsucht. Sie müssen einfach hin und es selbst spüren. Egal, ob Sie unter dem Brandenburger Tor stehen oder im Wannsee schwimmen - Sie werden Ihr eigenes reichhaltiges Kopfkino keinesfalls mehr missen wollen. Und Sie werden anfangen zu verstehen.
Berlin ist aktuell wie nie zuvor: "Politikverdrossenheit, Staatsverdrossenheit und Nichtwähler sind Zeichen der Ohnmacht und Resignation. Doch wer dem Volk Raum für eine Stimme verleiht, erlebt Vergleichbares wie 1989: 'Wir sind das Volk!' war mehr als nur ein Slogan. Es war zuerst eine kaum wahrnehmbare Stimme, die schließlich derart unüberhörbar laut anschwoll, daß am Grenzübergang Brandenburger Tor nicht mehr geschossen wurde, sondern aufgeregte Bürger auf die Mauer kletterten, sich wie kleine Kinder freuten und vor Freude weinten. Es ist mal wieder so weit. Doch dieses Mal ist es nicht die Nikolaikirche in Leipzig, sondern twitter.com für eine Revolution im Netz."
Berlin zum Wohnen, Berlin zum Besuchen, Berlin ist untrennbar mit Deutschland verbunden.
Hans Kolpak
Eigentum & Bauen

© extranoise
Tags: Berlin Wohnen Leben
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