Feng Shui â€
  © Hedwig Seipel

Es war einmal in einem fremden Land, vor langer, langer Zeit. Die Menschen lebten dort im Einklang mit der Natur und achteten sie. Nun war es mal wieder so weit, dass eine Familie nach einem neuen Platz zum Leben suchte. Sie sind zu viele für den jetzigen Ort geworden und beschlossen neue Gebiete zu besiedeln. Bevor sie jedoch alle sieben Sachen packten und sich auf den Weg machten, hatten sie den Meister beauftragt, den richtigen Ort zu finden. Der Meister vertrat die alte Berufstradition des Feng Shui. Er untersuchte wie schon seine Vorfahren, ob ein Platz, eine Gegend in der unberührten Natur für Menschensiedlungen geeignet war. Dabei schaute er in den Himmel und verfolgte den Lauf der Sonne. Schenkte sie dem Ort genug Kraft? Wo ging sie auf, wo ging sie unter? Kann der Mensch sie an dem Ort ausreichend nutzen? Danacht richtete er sein Blick auf die Landschaft und suchte nach Bergen und Wasser.
Ein Berg erzeugte die Lebenskraft, das Wasser war nötig, um sie zu verteilen. Nur ein Ort, der beides hatte, konnte ein guter Platz zum Leben sein. Aber Wasser brachte auch Gefahren mit sich und sollte nicht zufällig fließen, sondern bestimmten Linien, dem sogenannten Wasserdrachen folgend. Der Wind war sein ständiger Begleiter und deshalb für die Qualität eines Ortes genauso wichtig. Frei aber nicht zu stürmisch sollte er durch die Landschaft fegen, die Berge hinauf und mit leisem Pfeifen wieder hinunter gleiten. Lag ein Ort ungünstig in der Landschaft, dann bekam er zu viel Wind ab, wurde unruhig und die Menschen blieben schutzlos. Den optimalen Schutz boten Berge und Hügel, die einen Ort umarmten. Von hinten in der Form einer Schildkröte, die wie eine fürsorgliche Mutter für Rückendeckung und Geborgenheit sorgte. Ihr gegenüber, am Eingang des gutes Ortes platzierte sich der Phönix, von dem jeder Angriff abprallte. Er stand da, mächtig wie ein Vater, der jederzeit bereit war seine Familie zu beschützen.
Auf der linken Seite tanzte der grüne Drache, ein lebhaftes Schutztier in Form eines dynamischen Berges. Er sorgte dafür, dass die männliche Kraft am Ort präsent war. Stolz und kampflustig aber mit unbeschreiblicher Güte blickte er umher.
Zur rechten Seite brüllte des weißen Tigers Rachen. Eine kräftige, doch im Inneren ihres Wesens zärtliche Form, die durch und durch weiblich wirkte. In ihrer Größe sollte sie den Drachen nicht überragen, aber keinesfalls sich ihm völlig unterordnen.
Der Blick des Meisters schweifte umher, ja das war ein guter Ort: beschützt von allen Seiten, mit Wasser durchzogen, für Wind durchlässig und die Sonne stets willkommen heißend. Hier kann ein Mensch im Glück leben.
Die Menschen warteten schon ungeduldig auf die Rückkehr des Meisters. Als sie seine frohe Botschaft hörten, zögerten sie keinen Augenblick seinem Rat zu folgen.
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie dort noch heute.

Ein Märchen? Nein, diese kurze Geschichte beschreibt wie die Tradition des Feng Shui begann. Sie hat bis heute überdauert, sich weiter entwickelt und unseren modernen Lebensbedingungen angepasst. Wir schicken keine Meister in die weite Welt, die nach einem Grundstück für uns suchen. Wir beauftragen einen Makler, der uns einen Bauplatz oder ein Haus besorgt. Schaut er auch, ob der Ort für uns glückverheißend ist? Immer häufiger verlassen sich Menschen nicht nur auf das Urteil eines Maklers, sondern holen sich auch die Meinung eines Feng-Shui-Beraters. Was nutzt das schönste Haus, wenn es an einem ungünstigen Ort steht?

In der nächsten Folge der Feng-Shui-Beiträge erzähle ich Ihnen, wie ein Feng Shui Berater heute ein günstiges Grundstück untersucht.

Hedwig Seipel
Eigentum & Bauen


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