
Ulm und Neu-Ulm können symbolhaft für die Abgrenzungen zwischen Bayern und Baden-Württemberg stehen, doch auch in einer wirtschaftlichen Flaute kommt die Häme nicht zu kurz, besonders dann, wenn es auch das Ländle trifft. Die Süddeutsche Zeitung konnte es sich am 8. Juli 2009 nicht verkneifen, die Schwaben ein wenig über den Kakao zu halten, das Durchziehen hat sich die Redaktion nicht getraut. Dazu sind dann die Achtung vor den historischen Leistungen der schwäbischen und badischen Wirtschaft groß genug. Verderben will man es sich an der Isar dann doch nicht mit den respektablen Nachbarn, auch wenn die nicht einmal einen Freistaat haben. Es gibt einem neutralen Beobachter aus anderen Teilen der Republik schon zu denken, …
"dass es selbst in den Großstädten Baden-Württembergs keine wirklichen Großstädter gibt, sondern Menschen 'mit einem ländlichen Benehmen, obwohl sie in der Stadt wohnen, die haben ihren Garten, sind immer irgendwo am G'schaftle'. Wenn die Leute in München in die Oper gehen, dann kommen sie hinterher wieder raus und verteilen sich auf die Bars und Restaurants und reden darüber, wie es war. In Stuttgart gibt es neben der Oper eine Tiefgarage, aus der man sein Auto holt und in die Halbhöhenlagen fährt, weil man am nächsten Morgen früh raus muss."
Wer das sagte? Jean-Marie Wyss, ein Unternehmer für Zahnimplantate aus der Schweiz! "Aus einem Dutzend Mitarbeiter wurden in wenigen Jahren 320. Auch in der Krise wird expandiert, deshalb schaut Ministerpräsident Oettinger heute vorbei." Daran werden die Schwaben in Wimsheim und Umgebung noch eine Weile zu kauen haben. Aber mit der sprichwörtlichen Schweizer Präzision und dem schwäbischen Fleiß werden sie sich erfolgreich durchbeißen!
"Denn das mit dem Musterländle war ja nicht nur ein Werbegag, die Leute glaubten wirklich, dass es hier anders ist. Dass hier nichts passiert, weil nie etwas passiert ist." Ich bin sicher: Irgendwann kehrt wieder Ruhe ein – so oder so.
Hans Kolpak
Eigentum & Bauen
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