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Licht aus! (Teil2)
abgelegt im Archiv Energie fürs Haus von Hedwig Seipel am 03.09.09
Licht aus! (Teil 2)
  © Romy2004, Pixelio
Gestern beschäftigte ich mich mit der Wirtschaftlichkeit der Energiesparleuchten. Heute kommt die Gesundheit dran.

Nr. 3: Die Abneigung der Verbraucher gegen die Energiesparleuchte hat einen reinen emotionalen, nostalgischen Hintergrund und wird durch zweifelhafte Gesundheitsapostel unterstützt.
Ja, wir Deutsche sind Nostalgiker und tun uns mit Neuerungen immer ein wenig schwer. Bei einer Umstellung auf etwas Neues wird das Alte oft als "viel besser gewesen" empfunden. Zur Erinnerung: Autos mit Katalysatoren sollten viel schlechter, teurer und reparaturanfälliger werden, bei der guten, alten DM war alles billiger und Mülltrennung wäre Augenwischerei. Jetzt trauen wir der Glühbirne nach. Doch ist es wirklich nur sture Nostalgie? Die Glühbirne spendet uns eine Lichtqualität, die wir nicht missen wollen. Das warme, gelbliche Licht erinnert uns an die Wärme der Flamme und einen warmen Sonnenuntergang. Gelb ist nachweislich die Farbe der guten Laune. Die Lichttherapie benutzt Gelb, um depressive Zustände zu behandeln. Auch die Natur hält an der Farbe fest. Johanniskraut, als "pflanzliches Antidepressiva" bekannt, leuchtet unwiderstehlich mit seinen gelben Blüten. Die Steigerung von Gelb ist Rot. Rotes Licht, rote Farben wecken in uns ganz bestimmte Empfindungen. Wohl dosiert regt Rot an und macht warm ums Herz. Auch andere physiologische Vorgänge sind von der Lichtqualität abhängig. Bei der Stiftung "Ökotest" sagt in einem Interview der Arzt Alexander Wunsch folgendes zu möglichen Risiken:
"Eine Verteilung mit einem hohen Blauanteil, wie ihn die Energiesparlampen aufweisen, kann zu hormonellen Fehlreaktionen führen, die insbesondere mittel- und langfristig die Entstehung einer Reihe von Zivilisationskrankheiten wie Herz- und Kreislauferkrankungen fördern."
Das Leuchtspektrum eine Glühbirne zeichnet sich durch zwei wichtige Eigenschaften aus: die Farben fließen ineinander über und der Farbschwerpunkt liegt im roten Bereich.

Eine Energiesparleuchte ist unter anderem deshalb so sparsam, weil sie auf die Rotanteile gezielt verzichtet. Dadurch wirkt das Licht kalt und macht blasse Gesichter. Das Farbspektrum ist sehr sprunghaft und unharmonisch, weit von einer sanften Welle entfernt. Das Gegenargument, wir holen uns das rote Licht direkt durch die Sonneneinstrahlung, gilt nur bedingt. München und Berlin zum Beispiel, haben im Jahr ca. 1.600 Stunden Sonne und das sind 18% unserer Zeit. Die restlichen 82% brauchen einer künstlichen Unterstützung, wenn es richtig hell sein soll. In wieweit das Fehlen des roten Lichtes in der Energiesparleuchte auf die Dauer zu gesundheitlichen Problemen führen kann, das kann heute niemand mit Bestimmtheit sagen. Es fehlen Langzeitbeobachtungen und wissenschaftliche Untersuchungen darüber. Der größte Feldversuch, dem wir uns nicht entziehen können, hat am 1.09.09 erst begonnen.

Mein persönlicher Fazit der Diskussion: die Rechnerei der Einsparungen kann sich als reine Milchmädchen-Rechnung erweisen. Die Energiesparlampe bringt sicher niemanden an Ort und Stelle um, doch sie trägt zu der Salamitaktik der Gesundheitsgefährdung bei.

Sehr nachdenklich stimmte mich die Aussage eines Referenten beim "Licht-Seminar", das ich vor kurzem auf Einladung eines Leuchtenherstellers besucht habe. In der Kaffeepause erzählte ich ihm meine Bedenken, in der Hoffnung, dass er sie zerstreuen kann. Seine Antwort lautete sinngemäß so: wir mussten die Sparlampen puschen, weil die LEDs noch zu teuer sind und nicht überall einsetzbar. Sobald wir hier die nötige Gewinnspanne erreichen, erledigt sich das Thema von selbst. Das dauert nicht mehr lange.
Nun ja, ein neues Abenteuer steht uns bevor und bis es kommt, gehe ich noch zum Baumarkt und sichere mir die letzten Nostalgiebirnen.

Mit erhellten Grüßen

Hedwig Seipel
Eigentum & Bauen
Permalink: Licht aus! (Teil2)
Tags: energie  energiesparen  energiesparleuchte  glühbirne  energiesparlampe  München  Berlin  lichtspektrum 
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