
© wannes deprez / ony one
Die Broschüre des Umweltbundesamtes "Nachhaltiges Bauen und Wohnen" die ich gestern erwähnte, stellt des aktuellen Versuch dar, den Lebensraum für Menschen zu pflegen und mit den wirtschaftlichen Interessen bei der Ansiedlung zu verbinden. Um die komplexen Abhängigkeiten etwas zu beleuchten, werfe ich einige Fragen auf, die individuelle Wohninteressen berücksichtigen und auf den historisch gewachsenen Siedlungen aufbauen.
Sobald ein Mensch entscheidet, sich wirtschaftlich aus dem elterlichen Umfeld zu lösen und vielleicht sogar seine Heimat zu verlassen, begibt er sich in das Spannungsfeld behördlicher Besiedlungspolitik. Von einigen militärisch genutzten Flächen abgesehen, ist alles von Menschen bewohnbare Land Gemeinden oder Städten zugeordnet. Das Leben im Grünen ohne Anschluß an die Versorgungsnetze von Strom, Gas und Telefon, Leitungswasser und Abwasser wie im Buch von Gerhard Schönauer "Aussteigen – aber wie?" wird in Deutschland praktisch unterbunden. Selbst an der Entsorgungpflicht kommt niemand vorbei. Beispiel: Mit zwei Personen haben wir es nicht geschafft, im zweiten Halbjahr 2008 eine 120-Liter-Tonne mit Restmüll zu füllen. Wie das wohl kommt?
Gerhard Schönauer: "Solange die Baubehörden gräßliche, krankmachende Betonhochhäuser, also Selbstmördertürme, bewilligen und fördern, aber nette, landschaftsgemäße, unaufdringliche, kleine Häuschen auf der Wiese und am Waldesrand verbietet, solange hat unsere Obrigkeit noch nichts begriffen. Das schließt jedoch nicht aus, daß sie einmal begreifen wird, weil sie muß. Auf die Dauer kann sich ein System, und sei es noch so selbstherrlich, den wichtigsten Bedürfnissen des Volkes nicht widersetzen."
Es ist nachvollziehbar, daß Städteplaner, die für sich Stadtlagen bevorzugen, in ihrer gestalterischen und planerischen Arbeit von ihren Werten geprägt sind. Es gibt aber Steuerzahler und Wähler, die anders empfinden und anders leben, ohne dabei Pflanzen und Tiere ihres Lebensraumes zu berauben. Ein kleines Haus in Alleinlage ist ökologisch tragbar, aber riesengroße versiegelte Flächen in Dörfern und Städten werfen Probleme auf und verursachen Kosten.
Die meisten Menschen arbeiten für Unternehmen und Behörden, was sie an einen Ort bindet und pendeln läßt. Die täglichen Verkehrsströme sind immens groß. Neue Kommunikationsformen wie zum Beispiel das Internet erweitern für Unternehmer die Auswahlmöglichkeiten, in dünn besiedelten Gebieten zu wohnen, immens. Bauthemen wie das Plus-Energie-Haus werden Siedlungswünschen, wie sie von Gerhard Schönauer realisiert wurden, weiteren Schub verleihen. Mit einer Photovoltaikanlage, die elektrische Energie zum Speichern in Akkumulatoren erzeugt und Satelliten-DSL, ist bereits jetzt eine Internetverbindung in beide Richtungen ohne Hausanschlüsse für Strom und Telefon möglich.
Die demographische Entwicklung verbunden mit zunehmendem nachhaltigen Bauen und Wohnen spielt uns Bürgern in die Hände. Somit sind individuelle Wohnwünsche immer leichter zu verwirklichen. Der behördliche Drang zum Schematisieren greift in der Ökologie ins Leere. Jeder Punkt, an dem ein Haus steht, ist einzigartig und unvergleichlich. Auch der Biomarkt hat klein angefangen. Jetzt gibt es Bioware in den Supermärkten.
Hans Kolpak
Eigentum & Bauen
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